Die Beziehung von Schwarzem Feminismus zu weißem Feminismus

Von Elisabeth Okunrobo

Schlagwörter wie „white feminism“ und „critical whiteness“ hört man seit wenigen Jahren immer öfter. Diese Begriffe sind zurecht so „kritisch“, denn sie beziehen sich auf weiße Feministinnen und ihren Feminismus.
Diese Begriffe ignorieren nämlich tatsächlich die Unterdrückungsmechanismen des Patriarchats. Frauen waren nämlich nicht nur weiß , sondern auch schwarz. 

Wie ist also die Beziehung vom schwarzen Feminismus zu weißem Feminismus? 

Viele Menschen würden jetzt vielleicht anbringen, dass man gar nicht von zwei verschiedenen Feminismen sprechen kann, denn Feminismus hat doch nur ein Ziel und zwar die Befreiung der Frau. Andere würden sagen, es seien alle gleich und sie sehen keine Farbe, sogenannte Farbenblindheit, was jedoch mehr als kontraproduktiv wäre. 
Denn wenn man keine Hautfarben sieht, ignoriert man auch die Probleme, wie Rassismus, denen marginalisierte Menschen tagtäglich ausgesetzt sind. 
Neben schwarzen und weißem Feminismus kann man  z.B. auch vom muslimischen Feminismus und indigenen Feminismus sprechen. 
Im Folgenden soll es aber um die Beziehung von schwarzem Feminismus zu weißen Feminismus gehen. 

Wie ist also die Beziehung von Schwarzem Feminismus zu Weißem Feminismus?

Zuerst einmal sollte klar gemacht werden, dass Feminismus generell erst dann wirklich echter Feminismus sein kann, wenn er intersektional ist, also verschiedene Unterdrückmechanismen anders betrachtet werden und eine Rolle spielen.
Die Bereiche in denen Frauen unterdrückt werden, sind nicht überall auf der Welt gleich, weswegen es auch unterschiedliche feministische Bewegungen geben muss. 
Weißer Feminismus reproduziert schon von Anfang an Strukturen von white supremacy und des Patriarchats. Die Forderungen bringen den einzelnen Individuen was, aber nicht der Gesamtheit der Frauen. 
Der Begriff des Weißen Feminismus spiegelt das Versagen innerhalb der feministischen Bewegung wider. Das Versagen von Frauen, die privilegierter sind, ihren marginalisierten Mitstreiterinnen nicht zuhören, sich über sie hinwegsetzen und ihren Kampf nach ihren eigenen Themen ausrichten.
Sei es die viel größere Medienpräsenz von weißen Frauen (die Frauenpräsenz ist generell viel zu gering) oder die noch größere Lohnlücke für Women of Colour, die verdeutlichen wie stark der Unterschied und somit die Ungleichheit noch immer ist. 
Auch die deutlich höhere Wahrscheinlichkeit von Polizeigewalt, der schwarze Frauen ausgesetzt sind, unterstreicht und bestätigt diese Kritik.
Schwarze Frauen hatten aufgrund dessen, dass sie von Anfang an in einer anderen Ausgangssituation lebten, schon immer die Strukturen im Blick, da sie einfach nicht zur Norm gehörten. 
Schwarzer Feminismus verlangte, dass neben ´´Race“ auch das Geschlecht, die Klasse, Fähigkeiten, Behinderungen, geopolitische Bestimmungen und aber auch die sexuelle Orientierung wichtig sind. 

Zwei Frauen, oder Frauen generell, sind nämlich nie wirklich gleich, denn  sie können verschiedene Positionen innehaben und komplett verschieden privilegiert sein. Klar wird eine weiße Frau aufgrund ihrer Hautfarbe immer privilegierter sein, weil sie zur Norm gehört, aber sowohl unter weißen Frauen als auch schwarzen Frauen kommen  unterschiedliche Stufen von Privilegiert sein vor. 
Etwas, was im weißen Feminismus oft passiert, ist die Tatsache des Aneignens von Konzepten aus dem schwarzen Feminismus, wobei oft eigentlich versucht wird, antirassistisch zu sein.  Diese Aneignung und somit oft auch das Herausreißen aus dem Kontext sorgt dafür, dass die Anliegen schwarzer Frauen und somit auch sie selbst unsichtbar gemacht werden. Weiße Frauen sprechen dann nicht nur für sie, sondern sie sind dann auch nicht mehr Teil des Diskurses. 
Unsere gesamte Gesellschaft und Kultur sind durch Rassismus geprägt und ein Großteil des Reichtums unseres Landes stammt aus der Versklavung und Kolonialisierung anderer, gerade schwarzer Menschen.

Schwarze Frauen und Women of Colour, die diese mehr als berechtigte Kritik äußern, lehren uns allen, gerade jenen, die nicht von Rassismus betroffen sind, dass wir uns von bestimmte gegebenen Strukturen und Verhaltensweisen lösen müssen, welche gerade weiße Personen in einem rassistischen System belohnen. 

Quellen

Die Störenfriedas

Dein Blog für Feminismus: Die schwarze feministische Frauenbewegung – Black History Month

https://diestoerenfriedas.de/weisse-menschen-die-weissen-feminismus-kritisieren-halten-weisses-privileg-aufrecht/

Edition F 

Dr. Natasha A. Kelly: „Intersektionalität ist die Grundidee des Schwarzen Feminismus“

Missy Magazine

Magazin für Pop, Politik und Feminismus: „Hä was ist denn Intersektionalität?“

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