Was ist Intersektionalität?

Von Elisabeth Okunrobo

Der Begriff der Intersektionalität ist immer öfter und in immer mehr Diskursen zu finden, seien es feministische, antirassistische oder Klimagerechtigkeit betreffende Diskurse. 
Intersektionalität spielt eine immer größer werdende Rolle.
Das ist nicht nur wichtig, sondern auch notwendig, wenn man darauf schaut was dieser Begriff bedeutet. 
Der Begriff der Intersektionalität, welcher seinen Ursprung  im schwarzen Feminismus der USA findet, bezeichnet das Überschneiden von verschiedenen Diskriminierungsformen, auch Mehrfachdiskriminierung genannt. 

Der Begriff der Intersektionalität wurde das erste Mal von der US-amerikanischen Juristin Kimberle Williams Crenshaw, im Jahre 1989 in einem von ihr verfassten wissenschaftlichen Aufsatz, verwendet.
Der Begriff der Intersektionalität jedoch ist mindestens genauso alt wie die Kämpfe gegen Kolonialismus und Versklavung selbst. Auch wenn er zu dieser Zeit noch nicht als Begriff genutzt wurde, wurden die Dimensionen dieses Begriffs schon vorgelebt. 

Die Frauenrechtlerin Sojojurner Truth stellte sich schon 1851 die Frage: 

Ain´t I a woman?“ 

Sie kritisierte damit nicht nur den Umstand, dass Frauen wegen ihres Geschlechts kein Wahlrecht hätten, sondern ebenfalls das Vorhandensein
von Rassismus, Klassendiskriminierung und  auch Unterdrückung in der Frauenbewegung selbst.  
Sie kritisierte aber auch die sexistische Diskriminierung, die schwarze Frauen innerhalb  der schwarzen Gemeinschaft erfuhren. 
Sie hat zum Ausdruck gebracht, dass die Diskriminierung die schwarze Frauen erleben, sich von denen schwarzer Männer als auch weißer Frauen unterscheidet.

Bei diesen Erfahrungen – der Überschneidung von,  in diesem Fall, Rassismus und Sexismus – handelt es sich um Vielfachdiskriminierung , die die gesellschaftliche Position von Schwarzen Frauen und women of colour kennzeichnen sollte.


Die kritischen Stimmen schwarzer Frauen und Frauen of colour wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert stets dadurch übertönt, dass sie in die Kategorie „Frau“ gefasst wurden.
Der Feminismus und dessen Anliegen  wurde lange Zeit nämlich nur auf  weiße Mittelschichtsfrauen als auch die gesellschaftliche Fixierung des Mannes beschränkt, ohne die Diskriminierungsformen schwarzer Frauen zu beachten. 
Ohne sie werden im Kampf gegen Sexismus immer wieder rassistische und im Kampf gegen Rassismus immer wieder sexistische Strukturen reproduziert. 
Der Begriff der Intersektionalität sollte in diesem Fall ein grundlegendes Problem benennen und die Strukturen hinter diesem Problem freilegen, denn erst wenn man ein Problem benennt und anerkennt, ist es nachhaltig möglich dagegen vorzugehen. 
Aus einer wissenschaftlichen Perspektive betrachtet, ist Intersektionalität ein aus der Soziologie stammendes Konzept, welches es erlaubt, Identität als vielsichtiges Konstrukt zu verstehen. Intersektionalität macht die unterschiedlichen Bedingungen einer Diskriminierung sichtbar.   

Der Begriff der Intersektionalität umfasst die Gesamtheit der Frauen, gerade diejenigen, die weniger privilegiert sind und so oft keine Plattform in diesem Diskurs geboten bekommen.
Feminismus sollte ein Kampf für alle Frauen seien, und da er das lange Zeit nicht war, muss noch viel stärker an der Schaffung hin zu einem intersektionalem Feminismus gearbeitet werden. 
Häufig wird zwar für schwarze Frauen, women of colour, indigene Frauen und muslimische Frauen gesprochen und sie sind nicht mehr unsichtbar, aber auch sie selbst müssen es sein, die für sich sprechen können.
Sie müssen mit am Tisch sitzen, an vorderster Front, und endlich bekommen was ihnen zusteht. 
Sie müssen Teil des Ganzen sein, denn ohne sie wird nie eine Form von Ganzheit gegeben sein, auch wenn viele Frauen, gerade im weißen Feminismus, sich das noch eingestehen müssen, denn sie dachten lange Zeit ihr Feminismus wäre auch unser Feminismus. 

Nur mit Rücksichtnahme, zum Teil auch mit Verzicht, Reflexion und das Hinterfragen von Privilegien, wird ein Feminismus für alle Frauen ein intersektionaler Feminismus. Dementsprechend ist nur jener Feminismus, welcher intersektional ist, wirklicher Feminismus. 



Quellen

Die Störenfriedas

Dein Blog für Feminismus: Die schwarze feministische Frauenbewegung – Black History Month

https://diestoerenfriedas.de/die-schwarze-feministische-frauenbewegung/

Edition F 

Dr. Natasha A. Kelly: „Intersektionalität ist die Grundidee des Schwarzen Feminismus“

Missy Magazine

Magazin für Pop, Politik und Feminismus: „Hä was ist denn Intersektionalität?“

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