Kil Heykel – Lehmskulptur

Gott* erschuf die Menschen aus einem Kloß Lehm,
oder sagen weiße Menschen „ein Klumpen Lehm“?
Ich weiß es nicht, ich weiß auch nicht, über welchen Gott* sie sprechen, über wessen Gott* sie sprechen, vielleicht sollte ich schon hier abbrechen. Vielleicht sollte ich die Selbstzweifel ausweinen, aufhören zu weinen, wenn sie fragen: „Sind wir noch im Glauben vereint?“
Denn meine Zweifel haben uns schon längst entzweit.

Geboren nach der Eiseskälte des Neujahres sehe ich mich
auf alten Analogbildern retrospektiv im Schoß meines Babas aufwachsen, während Anne unvergessliche Momente reproduziert und unermessliche Arbeit für sein Heim und Familie reproduziert, kein Dank, kein Applaus kommt daraus, komme da raus, als unter lautem Schmerz der Frühling erwacht.
„Spring time, spring time!“, springe ich den Schneeglöckchen entgegen,
kommt es mir entgegen, nicht zurückzuschauen auf auffliegende Teller
und fliegende Fäuste, bin unter argwöhnischen Nachbarsaugen
ausgebrannt, sie schauen und ich brenne, brenne ohne Mucks,
sonst werfen sie uns raus aus Babas viel zu kleinem Haus.
„Ja dann wein, weine nicht, heul leise, sagte ich!
Sonst stecken sie dich ins Heim, weißt du denn nicht,
dass nur die guten Mütter und schlauen Väter deutsch sprechen?“

Sie reden und beten, predigen im Augenschein unerschöpflich
dem Himmel entgegen, denn ihr Leben auf Erden ist unerbittlich. Kein Raum für Hoffnung und Seelenheil, ein unendlicher Zehnkampf. “Geh zurück in deine Heimat, der İslam gehört nicht zu Deutschland.” Baba sagt, da bin ich noch klein, Muslim musst du sein,
stark sollst du sein, mussten stark sein, mussten anders sein, anders, doch fein, ja fein, ja fein, das haben wir doch gemein?
Anne versprach, glaub einfach nur, Gott ist barmherzig,
öffne dein Herz, sei empfindsam. Ich sah sie unter Druck zerbrechen

und wurde unbarmherzig, Gott blieb stumm, ich blieb schweigsam.

„Schenk ihnen ein erfülltes Leben, bin nicht immer stark, bin auch mal schwach, ganz schwach, bin doch nur ich.“ Doch vererbtes Beten war untauglich,
ich flehte eher immerzu, so erdrückend,

das Betteln wurde zermürbend, zur täglichen Qual.

Aufhören, zu glauben? Ein Zwischenfazit, gezogen aus einem Vierteljahrhundert Erfahrung, die Zweifel zwangen mich vorerst zu Boden. Sabır? Vielleicht, die Zeit, die heilt…
Sie sagen: Glauben ist Alles, Zweifeln ist Nichts.

Cansev Duru

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